Fall 2 zu Gesichtsschmerzen

 

Frau B. B. schreibt uns diesen Brief:

Herzlichen Dank! Sehr geehrter Herr Lechner

Ich kann Ihnen meinen Dank gar nicht genug ausdrücken. Ich hab die Worte noch nicht gefunden, die meine Emotionen richtig zum Ausdruck bringen sollen. 17 Jahre Schmerzen und seit der 2. Operation (Ende März 2008) KEINE Schmerzen mehr in der linken Gesichtshälfte!!! Ich finde die Worte für die Superlative gar nicht und sage deshalb schlicht und einfach mit grösster Wertschätzung: DANKE!

Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen den „Bericht“ erst heute zustelle! Sie können sich nicht vorstellen, was dies für mich für einen Kraftakt gebraucht hat! Es ist wie eine Zeitreise zurück in die traumatisierte Vergangenheit. So vieles ist geschehen, so viel an Emotionen. Da war es nicht einfach für mich, den Bericht kurz und prägnant abzufassen. Ich hoffe dennoch, dass Sie mit meiner Geschichte etwas „anfangen“ können und ich hier aufzeigen kann, dass man nie aufgeben darf!

Gerne stehe ich Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung und bin natürlich auch froh, wenn Sie mir die notwendige Unterstützung geben, falls ich da noch einige Auskünfte bräuchte. Ich werde versuchen, von der Krankenkasse wenigstens eine Mittinanzierung der für mich nicht unerheblichen Kosten zu erreichen. Auch will ich hier in der Schweiz meine Geschichte auf einem geeigneten Weg veröffentlichen, um anderen Patienten Mut zu machen, nie aufzugeben. Gerne halte ich Sie darüber auf dem Laufenden.

Ich bin z.Zt. sehr sehr müde und erschöpft, physisch wie psychisch. Mein Immunsystem ist geschwächt und ich hatte eben erst gerade eine sehr starke Erkältung. Es gibt diesbezüglich also noch einiges zu tun. Ich kann mit Freude daran arbeiten, weil ich nun zuversichtlich in meine Zukunft investieren kann. Es geht doch vieles sehr viel leichter, ohne tägliche/nächtliche Schmerzen!


Leidensgeschichte von B. B.:

Vorwort:

Was ist passiert? Im Sommer 1988 eine starke Erkältung zugezogen, die als Folge darauf mit Antibiotika behandelt wurde. Seit 1988 bis 1992 immer wiederholende Stirn- und Kieferhöhlenentzündungen, die fortlaufend mit Antibiotika behandelt wurden. Es gab nur noch die Sommermonate, an denen ich keine Kieferhöhlenentzündung (linke Seite) hatte. Daraufhin hat mir mein damalig behandelnder Hauszart geraten, mich einer Kieferhöhlenoperation zu unterziehen, damit die Entzündungen beseitigt werden und ich wieder ein gesundes normales Leben führen könnte und mich fit und gesund fühlte.

Unmittelbar nach dem Operationseingriff sind die qualvollen Gesichtsschmerzen in der linken Gesichtshälfte aufgetreten. Vorher waren es immer die Entzündungen, die mich geplagt haben; nach der Operation war es ein anderer Schmerz; ich bezeichnete diesen als „Schraubstock“. Nach der Vollnarkose war mein Gesicht komplett aufgeschwollen und die Schmerzen konnten nicht abklingen. Aufgrund der Schwellung wurde ich im Spital u.a. mit Eis behandelt, bekam wieder Antibiotika und wurde schlussendlich aus der Klinik entlassen, obschon es mir sehr schlecht ging. Ich hatte Schmerzen in der linken Gesichtshälfte, hatte eine Sperre im Kiefergelenk, mir war schwindlig und ich war kraftlos. Trotz alledem sicherten mir der HNO-Arzt sowie der Kieferspezialist zu, es sei alles gut gelaufen.

Von da an hat meine Leidensgeschichte mit Ärzten, Professoren, Heilern etc. etc. angefangen (siehe Historie). Nicht nur die Leidensgeschichte mit den Schmerzen sondern auch die emotionale, psychische Schmerzphase. Fast mein ganzes privates wie berufliches Umfeld glaubte mir in den folgenden Jahren nicht mehr, dass ich diese Schmerzen hatte. Offensichtliche Negativwirkungen von Therapien, Medikamenten, Darmprobleme (Verstopfung), Lebensmittelunverträglichkeiten, Angstzustände, Schwindelanfälle etc. etc. häuften sich.

Misstrauen von Ärzten und Spezialisten haben mich letztendlich in deren Augen zum Simulanten gestempelt, da aufgrund der Röntgenbilder und ihrer Diagnosen nichts sichtbar war.

Trotz dieser vielen Misserfolge war es ein Geschenk, dass ich beim Chiropraktor, Dr. Markus Scheidegger, auf viel Verständnis und Einfühlungsvermögen gestoßen bin. Er hatte mich fast drei Jahre begleitet und später, im Jahr 1997, bin ich - dank einer Ferienablösung - zu meinem jetzigen, langjährigen Hausarzt, Dr. Emanuel Berchtold, gekommen. Er hat sich von Anfang an für meinen „Fall“ interessiert und mich stets mit großem Einfühlungsvermögen und ohne Vorbehalte behandelt. Er war und ist stets bestrebt, nach Lösungen zu suchen. Seine unvoreingenommene Art und Weise mit Patienten baut sehr viel Vertrauen auf. Dr. Berchtold hat mir auch erklärt, dass er nicht mehr wisse wie weiter, aber dass er - und auch ich nicht aufgeben soll - nach Lösungen zu suchen. Ich konnte ihm meine Vorschläge einbringen und er hat auch immer wieder unter den Ärztekollegen nach Rat gefragt und nach Lösungen gesucht. Dank diesem großen Vertrauen zu meinem Hausarzt konnte ich mich überzeugen lassen, dass ich - nach etlichen Fehlschlägen und Enttäuschungen zum Trotz - zu Ihnen Dr. Lechner, nach München, zur Untersuchung reiste.


Nun aber vorher noch zu meiner in den wichtigsten Stationen zusammengefassten Historie:

Juni 1992:
Operation: Septumkorrektur und Nasennebenhöhleneingriff links, Extraktion von 3 Weisheitszähnen (lx links oben, lx rechts oben und unten). Zu erwähnen ist, dass nur die Entfernung des Weisheitszahnes auf der linken Seite das Thema war. Während der OP hat sich der Kieferchirurg entschieden, mir gleichzeitig auch die beiden Weisheitszähne rechts herauszuoperieren; sozusagen als Vorbeugung. Dies wurde jedoch ohne mein Wissen und meine Zustimmung getan. Ich war ja schon in der Vollnarkose.
Beim Aufwachen sehr starke Schmerzen linke Gesichtshälfte. Fieber bekommen. Gesicht stark aufgeschwollen. Kiefersperre (konnte lange Zeit nur pürierte Mahlzeiten zu mir nehmen).

Ein halbes Jahr Nachbehandlungen von der OP. Arztbesuche konnten nur in Begleitung stattfinden. Mir war schwindlig, ich konnte nur noch langsam gehen, war sofort außer Atem und hatte diese wahnsinnigen Schmerzen.
HNO-Arzt teilte mir mit, dass seine OP sehr erfolgreich war und ich keine Schmerzen haben könne. Kieferchirurg behandelte meine Weisheitszahn-Wunden mit Antibiotika. Fazit: Schmerzen sind geblieben.

1993: Neuraltherapie: wöchentlich 3x, später 2x in der Woche. Anfangs gut gelaufen. Zwischendurch, nach direkter Einwirkung der Neuralspritze, kurze Momente schmerzfrei. Jedoch oftmals 2 Stunden danach wieder derselbe Zustand wie vorher. Arzt meinte, es braucht seine Zeit und meine Geduld. Neuraltherapie ¾ Jahr mitgemacht. Hat nichts gebracht; außer schlussendlich Stresszustände vor den Spritzen.

1993 - 1995: verschiedene Therapien bei verschiedenen Ärzten: Neuraltherapie,
Akkupunktur, Bioresonanz, verschiedene Massagen zur Entspannung, etc.
Untersuchung bei der Neurologin, Rheumatologe, Chiropraktor. Beschwerden:
Gesichtsschmerz links, Gliederschmerzen, Erschöpfungszustände,
Konzentrationsprobleme, Verstopfung, gestresst, Kälte (konnte Körper nicht mehr
erwärmen).

1995: Untersuchung im Universitätsspital Bern (Inseispital): Bericht vorhanden. Prof.
Dr.med. R. Adler; Hals-Nasen-Ohrenklinik. Dr. K. Lädrach, Oberarzt, Kieferchirurgie,
Inseispital Bern. Bericht Abklärung Schmerzsprechstunde vom 20.03.95. Fazit:
psychische Probleme!
1995: Neurologische Untersuchung Dr. Ursula Hiltbrand (Bericht vorhanden)
1995: Dr.med. Markus Gerber, Rheumatologe (Bericht vorhanden)
1995: Dr.med. A. Messerli, Facharzt FMH Oto-Rhino-Laryngologie spez. Hals- und
Gesichtschirurgie (Bericht vorhanden)

Sommer 1995: Einnahme von 5-8 Schmerztabletten (Ponstan 500) pro Tag! Nach eigenem Wunsch und durch Unterstützung des Chiropraktors, Einweisung in die Aeskulap-Klinik, Ganzheitsmedizin in Brunnen.

Herbst 1995: 1-monatiger Aufenthalt in der Aeskulap-Klinik, Ganzheitsmedizin, in
Brunnen, Kanton Schwyz. Ziel: Befreiung der Gesichtsschmerzen links sowie Aufbau
des lmmunsystems mittels: Neuraltherapie, Akkupunktur, Colon-Hydro-Therapie,
Fiebertherapie, Psychotherapie. Nutzen: Totale Erschöpfung nach 4wöchigem
Aufenthalt.

1996/1997: Amalgam-Sanierung; auf dringende Empfehlung der Aeskulap-Klinik und
entsprechender Laborwerte von den Medizinisch immunologischen Laboratorien aus
München. Nutzen: Vorerst gut, nicht mehr diese Schwere auf den Schultern,
Metallgeschmack im Mund weg. Etwas besseres Wohlbefinden im ganzen Körper.
Trotzdem: Schmerzen immer noch vorhanden. Daraufhin hatte ich noch bei zwei
Zähnen eine Wurzelbehandlung.

Februar 1998 bis März 1999: Arbeitsausfall zu 100% wegen Erschöpfungszuständen, Schmerzen im Gesicht und im ganzen Körper. Ich wurde damals von der Uniklinik in Basel untersucht und hab aufgrund der Untersuchung einen IV-Rentenzuspruch von 100% erhalten!

April 1999 bis Ende 2002: Wiedereinstieg in den Beruf mit 50%.
Ich wollte unbedingt wieder im Leben stehen. Arbeit aufgenommen, mit sehr großer
Anstrengung, körperlich wie geistig. 1V-Rente auf eigenen Willen auf 50% reduziert.

2003: Auf eigenes Risiko 50% 1V-Rente aufgehoben und 100% Stelle bei neuem Arbeitgeber angenommen! Trotz gleich bleibender Schmerzsituation.

Im selben Jahr von Sachbearbeitungsposition innerhalb von 10 Monaten in Führungsfunktion befördert. Trotz gleich bleibender Schmerzsituation, aber mit sehr sehr hohem Preis an letzter Kraftanwendung und mit mehreren Arbeitsausfällen.
Im Oktober 2006 völliger Erschöpfungszustand aufgrund der nicht nachlassenden gleich bleibender Schmerzen. Demzufolge wieder zu 100% arbeitsunfähig:
Zusammenbruch. Keine Kräfte mehr. Schmerzen immer noch vorhanden. Physisch und psychisch am Ende.

November 2007: Untersuchung bei Ihnen, Dr. Lechner. Februar 2008: erste
Operation, Ende März 2008: zweite Operation --) absolut erfolgreich!!!!! Keine
Gesichtsschmerzen in der linken Gesichtshälfte mehr und dies seit 1992.

Unbeschreiblich! Ende Mai 2008: dritte Operation
Schlussbemerkung:
Es ist mir vollkommen bewusst, dass Operationen nicht immer erfolgreich sein können. Dies hab ich all die Jahre gar nie in Frage gestellt bzw. einen Arzt angeklagt.



Leidensgeschichte von A. A.


Meine Wut richtet sich darauf, dass ich nicht mehr ernst und glaubwürdig genommen wurde. Ich hatte all die Jahre entsetzliche Schmerzen. Schmerzen, die unmittelbar nach einem Eingriff eingetreten sind. Schmerzen, die so präsent waren, dass das Leben oftmals nicht mehr lebenswert war und in Verzweiflungssituationen auch Suizid-Gedanken aufgekommen sind. Die Lebensqualität war verloren. Ein Privatleben gab es kaum noch. Der Kampf, im Arbeitsprozess zu bleiben war groß, riesengroß und reichte nicht immer. Nur unter größter Anstrengung konnte ich einen Arbeitsalltag führen. Am Willen hat es nicht gefehlt (sonst hätte ich trotz der Schmerzen keinen solchen Lebenslauf mitgebracht. Durch die vielen Versuche, eine Verbesserung der Schmerzsituation zu erreichen, musste ich auch viel Geld investieren. Nicht zuletzt wurde die Amalgam-Sanierung nicht übernommen und auch etliche andere Arzt- und Heilkosten. Die Verschuldung hat somit begonnen, was natürlich eine zusätzliche Belastung darstellte. Existenzängste waren die tägliche Bedrohung. Hart war wirklich, dass weder Arzte noch Umfeld an einem glaubten. Die Entsozialisierung hat begonnen. Sätze wie: „Du wurdest doch von namhaften Ärzten untersucht und die haben auch nichts festgestellt. . . .“, „Du musst nur wollen und nicht immer an Deinen Schmerz denken“, „Du scheinst ein psychisches Problem zu haben“, „Streng Dich an und nimm Dich zusammen“, „Schmerz, eine Flucht für psychische Probleme“, „Du lachst; dann kannst Du ja gar nicht so schlimme Schmerzen haben“, Arztaussagen: „Wir haben auf den Röntgenbildern nichts gefunden; Sie haben nichts“, „Sie haben etwas, aber wir wissen nicht was. Lassen Sie sich psychologisch begleiten“, ‚Akzeptieren Sie Ihren Schmerz, dann geht es Ihnen besser“, „Wandern Sie aus, in ein ausgeglicheneres Klima, dann geht es Ihnen besser“....!!!! Es war schwierig, in dieser Situation sich gegen das Umfeld noch behaupten zu können und den Selbstwert nicht komplett zu verlieren. Keine Unterstützung mehr, nebst diesen unerträglichen Schmerzen. Verschiedene Therapien konnten die Symptome kurzweilig aufheben und haben mir auch immer wieder Mut gemacht, dass es eine Lösung gibt. Ich hab mir die Schmerzen nicht eingebildet, wie dies oft schlussendlich die Ärzte und auch mein privates Umfeld zu verstehen gaben. Dass ich dadurch immer trauriger, hilfloser und oftmals hoffnungslos wurde, wurde sofort als Depression bei mir festgestellt. Erklären Sie mir mal eins: Kann den ein Patient, der über Jahrzehnte solche Schmerzen ertragen muss, noch fröhlich wirken?! Da würde wahrlich unmenschliches verlangt.

Da wäre noch die Kostenfrage zu klären. Wie kann es sein, dass ein
Gesundheitssystem über 17 Jahre wirkungslose Experimente bezahlt, während eine wirkungsvolle und von vielen Patienten bestätigte Behandlungsmethode schon erst gar nicht anerkannt wird?! Einmal abgesehen von den exorbitanten medizinischen Kosten wären da noch die nicht unerheblichen Arbeitsausfallkosten zu rechnen (die finanzielle Situation der Schweizerischen Invalidenversicherung ist bestens bekannt). Nach meiner nun mittlerweile l7jährigen Erfahrung mit Ärzten, Therapeuten, Professoren etc. meine ich einen Teil der Antwort zu kennen: „weil nicht sein kann, was nicht sein darf‘.

Sehr geehrter Herr Dr. Lechner. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen. Ich kann endlich neue Wege gehen. Ich bedanke mich für Ihr Durchhaltevermögen, Ihren Willen, weiterzuforschen und -entwickeln, nach Lösungen zu suchen und somit vielen Patienten eine neue Hoffnung zu geben.

B.B. 26. Juni 2008