Neuraltherapie/Procain

Das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem (VNS) steuert im Hintergrund als autonome Schaltzentrale viele lebenswichtige Funktionen unseres Organismus. Dazu gehört beispielsweise die Steuerung der Atmung, die Verdauung, Prozesse des Herz-Kreislauf-Gefäßsystems und Drüsenfunktionen. Die Steuerung geschieht von übergeordneten Zentren des Gehirns und des Hormonsystems, wodurch der Organismus ständig an sich verändernde Anforderungen anpassen kann.
Man unterscheidet nach dem Verlauf des Systems und dessen Funktion drei Teile: den Sympathikus, den Parasympathikus und das Eingeweidenervensystem. In der Regel wirken Sympathikus und Parasympathikus in vielen Prozessen als Gegenspieler. Muss der Organismus auf Gegebenheiten, die mit Kampf oder Flucht (fight&flight) in Verbindung stehen reagieren, ist der Sympathikus aktiv. Über seine Überträgerstoffe Acetylcholin und Noradrenalin wird die Herzfrequenz hochreguliert, die Atemwege weiten sich, der Muskeltonus steigt, die Gehirnaktivität nimmt zu und die Pupillen weiten sich. Wir befinden uns im Stresszustand und sämtliche für diese Situation nicht relevanten Prozesse werden heruntergeleiert. Die Verdauung nimmt ab, Regenerationsprozesse stoppen, das Schmerzempfinden ist gedämpft, auch Wundheilungsvorgänge laufen deutlich verlangsamt ab. Umgekehrt wird der Parasympathikus mit seinem Überträgerstoff Acetylcholin genau für diese Entspannungs- und Verdauungsprozesse aktiv (rest&diggest). Der Organismus kann ausruhen, schlafen, verdauen und regenerieren…

Neuromodulative Trigger

Areale eines Organismus, von denen chronische pathologische Impulse ausgehen, werden in der Neuraltherapie als neuromodulative Trigger (von innen kommende Reize) bezeichnet.

Dabei können chronische Herde der Mundhöhle eine entscheidende Rolle spielen.
Toxine (z. B. von toten/wurzelbehandelten Zähnen oder Metallen wie Amalgam), akute und chronische Entzündungsherde (Parodontitis, FDOK/Kieferostitis, entzündete Zahnwurzeln, Zysten) aber auch Fremdmaterialien (Metalle, allg. Werkstoffe wie Füllungs- oder Prothesenmaterialien) können solche Trigger darstellen. Das Nervensystem antwortet auf diesen Reiz mit der Ausschüttung von sympathischen Neurotransmittern bzw. Hormonen. Sind diese Reize wie bei Störfeldern der Mundhöhle dauerhaft und fest im Organismus verankert, gilt dies als Dauerstimmulus für den Sympathikus. Wir befinden uns im chronischen Stresszustand und können erst vollständig in einen parasympathischen Tonus gelangen, wenn die Ursache beseitigt ist.

Neuraltherapie mit Procain

Im Rahmen der Neuraltherapie (auch Heilinjektion) wird das unter Trigger-Verdacht stehende Areal per Quaddelung in die Haut- oder Schleimhaut vorsichtig mit dem Lokalanästhetikum Procain angespritzt.
Dadurch wird im Optimalfall der Stressor für die Wirkungszeit unterdrückt und es kann in der Nachbeobachtung eruiert werden, inwieweit sich die Symptome für diese Zeit verändert haben.
Durch die vorübergehende Ausschaltung des Reizes können körpereigene Renegerations- und Selbstheilungsprozesse des vegetativen Nervensystems in Gang gesetzt werden.

Bei chronisch stark belasteten Patienten kann es notwendig sein, diese Maßnahmen mehrfach zu wiederholen, um den gewünschten Effekt zu erreichen.

Auch die postoperative neurale Situation kann durch die intraoperative Procaininjektion unterstützt werden. Dies ist Teil unseres standardisieren Wundheilungsprotokolls im Rahmen von Operationen am Kieferknochen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

  • Schmerzhafte Narben
  • Zahn-Organbeziehung
  • Meridiansystem
  • Sympathikus (Fight+Flight), Parasympathikus (Rest+Digest)
  • Neuromodulative Trigger >wenn der Reiz von innen kommt
  • Segmenttherapie/Quaddelung – Störfeldtherapie